Gute Medizin schmeckt bitter

„Eine gute Medizin schmeckt dem Gaumen bitter“, heißt es. In solchen alten Sprichworten über die Wirkung von Bitterstoffen steckt auch heute noch viel Wahrheit. Allerdings hat sich die Ernährung in den letzten Jahrhunderten deutlich verändert. Wer baut seinen Salat noch im eigenen Garten an, wer isst gezielt bitteres Obst wie Pampelmusen oder Gemüse wie Chicoree oder Löwenzahn? In Zeiten von Fastfood sind Bitterstoffe mehr oder weniger aus der Nahrung verschwunden.

Wir brauchen Bitterstoffe

Woran liegt es, dass der Körper Bitterstoffe im wahrsten Sinn bitter nötig hat? Der bittere Geschmack stimuliert im Mund die Geschmacksnerven. Das regt die Produktion von Speichel an. Mit dem Speichel beginnt die Verdauung, er enthält nämlich verschiedene Enzyme: Alpha-Amylase (Ptyalin) hilft bei der Verdauung von Kohlehydraten, Lipase zerlegt Fette.
Auch bei der weiteren Verdauung gibt es eine Wirkung von Bitterstoffen. Sie aktivieren die Arbeit von Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse. Deshalb gilt der Genuss von Bittertropfen vor einem üppigen Essen als die perfekte Vorbereitung des Körpers auf die Mahlzeit. Bittertropfen wie bittere Oxymele regen also die Verdauungssäfte an, so dass Magen, Darm, Galle und Leber auf Gänsebraten und Co vorbereitet sind.
Wer unter Sodbrennen, Völlegefühl und Blähungen leidet, weiß, wie wohltuend ein gutes Bauchgefühl nach dem Essen ist. Kennen Sie die alte Weisheit „Was bitter dem Mund, ist dem Magen gesund“? Die Wirkung von Bitterstoffen scheint darin zu bestehen, dass sie die Fettverdauung unterstützen und den Heißhunger auf Süßigkeiten mindern können.
Andererseits heißt es auch: „Bitter macht lustig“. Und tatsächlich nehmen manche Menschen ein Bittertropfen-Oxymel zu sich, um die Stimmung zu verbessern, wenn andere einen Espresso oder Schnaps trinken.
Die Wirkung von Bitterstoffen kann man sich vorstellen als eine Art Booster für den Stoffwechsel und einen gesunden Darm!

 

Bitterstoffe nicht nur für Schafe und Schimpansen

Bitterstoffe dienen Pflanzen als Schutz, weil Hasen, Rehe oder Rinder die bitteren Pflanzen normalerweise stehen lassen. Tierfreunde kennen allerdings ein Phänomen: Wenn Schafe sich nicht wohl fühlen, fressen sie zum Beispiel Schafgarbe, obwohl diese Heilpflanze bitter schmeckt und normalerweise nicht zu ihrem Futter gehört. Offenbar fühlen die Tiere, was ihnen guttut.

Schimpansen in Uganda wissen anscheinend ebenfalls, welche Nahrung gesund für sie ist. Es wird berichtet, dass sie extrem bittere Blätter fressen – aber nur, wenn sie an Malaria erkrankt sind. Sie nutzen dabei die Blätter von Trichiliar rubescens und Vernonia amygdalina. Diese besitzen Inhaltsstoffe, die ähnlich wirken wie das Malariamittel Chloroquin.

 

Bitterstoff reich Schafgarbe
Schafgarbe, eine Naturmedizin für Schafe

Bitterstoffe und traditionelle Medizin

Nicht erst die Äbtissin Hildegard von Bingen erkannte im 12. Jahrhundert, welche positiven Wirkungen Bitterstoffe auf den menschlichen Körper haben. In Kräuterbüchern aus dem europäischen Raum spielen bittere Pflanzen seit Hippokrates‘ Zeiten eine wichtige Rolle.
In der traditionellen chinesischen Medizin gehört der bittere Geschmack zum Element Feuer. In diesem Sinn hat der bittere Geschmack mit Hitze, dem Intellekt, dem Handeln, der Freude, dem Lachen und dem Wachstum zu tun.
Die Ayurveda-Ernährung geht davon aus, dass gutes Essen gleichzeitig süß und sauer, salzig und scharf, aber auch bitter und herb schmecken sollte. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist es harmonisch und eine Art Medizin für Körper und Geist.
Auch in der traditionelle Ayurveda-Medizin spielen Bitterstoffe eine wichtige Rolle. Vor allem zur Anregung der Verdauung werden bittere Pflanzenteile eingesetzt.

Bitterstoff Rezeptoren

Nicht erst die Äbtissin Hildegard von Bingen erkannte im 12. Jahrhundert, welche positiven Wirkungen Bitterstoffe auf den menschlichen Körper haben. In Kräuterbüchern aus dem europäischen Raum spielen bittere Pflanzen seit Hippokrates‘ Zeiten eine wichtige Rolle.
In der traditionellen chinesischen Medizin gehört der bittere Geschmack zum Element Feuer. In diesem Sinn hat der bittere Geschmack mit Hitze, dem Intellekt, dem Handeln, der Freude, dem Lachen und dem Wachstum zu tun.
Die Ayurveda-Ernährung geht davon aus, dass gutes Essen gleichzeitig süß und sauer, salzig und scharf, aber auch bitter und herb schmecken sollte. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist es harmonisch und eine Art Medizin für Körper und Geist.
Auch in der traditionelle Ayurveda-Medizin spielen Bitterstoffe eine wichtige Rolle. Vor allem zur Anregung der Verdauung werden bittere Pflanzenteile eingesetzt.